27.-29. Mai 2024
STATION Berlin
James Beacham arbeitet als Physiker mit dem Teilchenbeschleuniger „Large Hadron Collider“ (LHC) am CERN bei Genf, wo er Antworten auf die größten offenen Fragen der Physik erforscht. Als Mitglied der ATLAS-Forschergruppe, einem der Teams, die 2012 das Higgs-Boson entdeckten, sucht er nach dunkler Materie, Gravitonen, schwarzen Quantenlöchern und dunklen Photonen. Neben seiner Forschungstätigkeit tritt er häufig als Redner bei bekannten Wissenschafts-, Technik- und Kunstveranstaltungen auf der ganzen Welt auf – unter anderem im American Museum of Natural History in New York, Royal Institution in London, Guggenheim Bilbao, SXSW und in der BBC. Sein TED-Vortrag „How we explore unanswered questions in physics“ („Wie wir ungelöste Fragen in der Physik erforschen“) wurde bereits mehr als 1,6 Millionen Mal angesehen. Er ist häufig in Podcasts, Radiosendungen, Fernsehserien und Dokumentarfilmen zu hören und sehen und wurde bereits in der New York Times, Wired und Gizmodo vorgestellt. James ist außerdem ein experimenteller Filmemacher und arbeitet regelmäßig mit verschiedenen Künstlern zusammen. Im Jahr 2015 startete er Ex/Noise/CERN, ein Projekt, bei dem er Verbindungen zwischen der Teilchenphysik, experimenteller Musik und Film erforscht.
Ihr findet James auf Twitter und TikTok.
3 Fragen an… James Beacham
Wir hatten uns bereits zur #rp20 auf James Beacham gefreut – bis uns die Pandemie dazwischen kam. Wir freuen uns daher ganz besonders, ihn nun im Programm der #rp22 ankündigen zu können!
Über welches Thema wirst du auf der #rp22 sprechen?
Was würde passieren, wenn du in ein schwarzes Loch fällst? Würdest du verdunsten? Zu
einem Punkt zerquetscht? Zu Spaghetti gestreckt? Oder würdest du am anderen Ende in
einer neuen Welt – vielleicht einem neuen Universum – wieder auftauchen? Ich gehe den
neuesten Entwicklungen in Wissenschaft und Technik auf den Grund und untersuche, was
passiert, wenn das Grundgerüst unserer Realität – physisch oder gesellschaftlich – bis
zur Unkenntlichkeit verdreht wird, und was das für uns bedeutet, jetzt und in
Zukunft.
Was ist bei dir in den vergangenen zwei Jahren zu kurz gekommen und was meinst
du, benötigt dringend einen Neustart?
Das Dringendste, was wir wieder in Gang bringen müssen, ist unser kollektives Wissen
darüber, dass das, was uns verbindet, weitaus stärker ist als das, was uns trennt. Es
gibt viele, grausame und heimtückische Kräfte - kriegstreiberische Diktatoren in
Europa, faschistische Politiker in den USA und auf der ganzen Welt,
gewerkschaftsfeindliche Tech-Milliardäre, die den Mond kolonisieren und seine
Ressourcen gewinnbringend ausbeuten wollen, queerphobische und frauenfeindliche
lärmende Stimmen überall, Blockchain-Kultisten, die versuchen, die unsere komplette
Kultur und die gesamte Existenz in Finanzinstrumente eines gigantischen
Schneeballsystems zu verwandeln - die sich die Pandemie und die globalen
geopolitischen Ereignisse zunutze gemacht haben, um Stammesdenken auf mehreren Ebenen
zu befeuern und zu versuchen, die gesamte Menschheit davon zu überzeugen, dass wir
alle in einem Nullsummenwettbewerb stehen. Sie tun dies nicht wegen bestimmter
moralischer Prinzipien, sondern schlicht, weil es ihnen und ihren Verbündeten Geld und
Macht verschafft. Wir müssen wieder begreifen, dass jeder einzelne Mensch auf der
grundlegendsten Ebene eine Ansammlung von Teilchen ist, die kleine Anregungen in genau
denselben Quantenfeldern sind, die den gesamten Raum und das gesamte Universum
durchdringen. Wir sind alle Teil der gleichen Erde, des gleichen Sonnensystems, der
gleichen Galaxie, des gleichen Universums, und wir müssen Demut, Mitgefühl, Empathie
und radikale Verbundenheit fördern.
Das Motto der #rp22 bezieht sich auf die letzte Textzeile des Queen-Songs
„Bohemian Rhapsody“. Welcher Song darf beim Karaoke auf der #rp22 deiner Meinung nach
auf keinen Fall fehlen und warum?
„Complicated“ von Avril Lavigne. Weil:
You fall, and you crawl, and you break
And you take what you get
And you turn it into honesty
And promise me, I'm never gonna find you fake it