27.-29. Mai 2024
STATION Berlin
Der Hongkonger Politiker Nathan Law
setzte sich als Generalsekretär der „Hong Kong Federation of Students“ während der Proteste von 2014
für freie Wahlen ein. Zwei Jahre später war er neben Joshua Wong einer der Mitgründer
und erster Vorsitzender der politischen Partei „Demosisto“ die sich bis zur
Selbstauflösung im Juni 2020 für die Unabhängigkeit Hongkongs von China einsetzte.
Wegen seiner Beteiligung an den Protesten 2014 wurde Nathan von der Hongkonger Justiz
2017 zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt. Nach einer erneuten Protestwelle in
Hongkong im Sommer 2020 reiste Nathan Law nach Großbritannien, wo er Asyl beantragte und
mittlerweile lebt. Die Entscheidung über den genehmigten Asylantrag führte zu
politischen Verstimmungen zwischen London und Peking.
Melissa Chan ist eine Emmy-nominierte
unabhängige Journalistin, die in Los Angeles und Berlin lebt. Die gebürtige Hongkongerin
ist im Alter von drei Jahren mit ihrer Familie in die USA gezogen. In ihren Berichten aus verschiedenen Orten der
Welt konzentriert sie sich auf grenzüberschreitende Themen, die oft Chinas Einfluss
jenseits seiner Grenzen sowie den zunehmenden globalen Autoritarismus betreffen. Sie ist
bekannt für ihre Artikel in großen Zeitungen wie New York Times, The Atlantic, The
Washington Post, Time oder The Guardian. Als Fernsehjournalistin moderierte sie das
Nachrichtenprogramm der DW über Asien und berichtete als Korrespondentin für VICE News
Tonight aus Europa.
Melissa wurde in den Pacific Power
Index der Zeitschrift Foreign Policy aufgenommen, eine Liste von 25 Personen, die
die Zukunft der Beziehungen zwischen den USA und China gestalten.
3 Fragen an… Nathan Law und Melissa Chan
Melissa Chan und Nathan Law werden gemeinsam auf der Bühne der re:publica über Hongkong und chinesischen Autoritarismus sprechen. Wir haben den beiden vorab unsere drei Fragen gestellt.
Über welches Thema sprecht ihr auf der #rp22?
Melissa: Ich freue mich auf mein Gespräch mit Nathan. Wir werden über sein Buch
„Freedom: How We Lost It and How We Fight Back“ sprechen. Darin geht es unter anderem
um Lehren, die er aus seiner Arbeit in Hongkong gezogen hat, um seine Beobachtungen in
Bezug auf den chinesischen Autoritarismus und darum, wie Demokratien auf der ganzen
Welt zusammenkommen müssen, um sich gegen den globalen Autoritarismus zu wehren - was
für Europa derzeit besonders von Interesse ist.
Nathan: Ich werde über meine Arbeit im Kampf für die Demokratie in Hongkong und den
Erhalt demokratischer Werte sprechen. Außerdem werde ich über mein aktuelles Buch
sprechen.
Was ist bei euch in den vergangenen zwei Jahren zu kurz gekommen und was meint
ihr, benötigt dringend einen Neustart?
Melissa: Nach zwei Jahren Pandemie braucht alles einen Neustart - ob es nun um die
Zukunft der Arbeit, den Aufbau unserer persönlichen Beziehungen, das Reisen oder die
dringlicheren geopolitischen und klimabezogenen Fragen unserer Zeit geht. Ich
persönlich freue mich jedoch auf die Begegnungen und positiven Überraschungen, die
sich ergeben, wenn man zufällige Menschen trifft und neue Freundschaften schließt, was
nur auf natürliche Weise geschehen kann, wenn die Menschen sich wieder frei unter
einander bewegen können.
Nathan: Ich vermisse die Möglichkeit, dass wir uns persönlich treffen und einander
jenseits dessen, was auf dem Bildschirm dargestellt wird, verständigen können. Es ist
wirklich wichtig, persönliche Verbindungen zu knüpfen und zu sehen, wie wir uns nach
einer langen Zeit der Isolation ausdrücken können.
Das Motto der #rp22 bezieht sich auf die letzte Textzeile des Queen-Songs
„Bohemian Rhapsody“. Welcher Song darf beim Karaoke auf der #rp22 eurer Meinung nach
auf keinen Fall fehlen und warum?
Melissa: Passend zum Queen-Thema ist „We are the Champions“ ein passender
Karaoke-Song für diejenigen unter uns, die das Glück haben, einen Neustart nach der
Pandemie unternehmen zu können!
Nathan: Ich glaube, ich werde am ersten Tag abreisen, also werde ich vielleicht
nicht teilnehmen können. Aber ich mag das Lied „Glory“ von John Legend.