27.-29. Mai 2024
STATION Berlin
Die Abschaffung eines freien Internets ist eine der Möglichkeiten, wie Menschenrechte missbraucht werden können. Der Zugang zu Online-Informationen ist besonders für Frauen und Mädchen im Iran angesichts der anhaltenden Proteste im Land noch wichtiger geworden. Wie können wir trotz aller Unterdrückung, Zensur und Internet-Sperren die Menschenrechte stärken und den Stimmen mehr Gehör verschaffen?
Auf der re:publica 23 möchten wir uns diesen drängenden Fragen gemeinsam mit Mahsa Alimardani stellen. In ihrem Vortrag wird sie nicht nur die jüngsten aggressiven Maßnahmen der Islamischen Republik Iran zur Einschränkung des Internet-Zugangs untersuchen, sondern auch darauf eingehen, was Tech-Unternehmen und die internationale Gemeinschaft tun können, um die Internet-Konnektivität zu erhalten.
Mahsa Alimardani ist Internetforscherin mit Schwerpunkt auf die Region Nahost und Nordafrika, insbesondere auf den Iran. Seit mehr als zehn Jahren untersucht sie Fragen zu Menschenrechten, Technologie und der freien Meinungsäußerung im Internet. Derzeit arbeitet die Wissenschaftlerin für die internationale Menschenrechtsorganisation ARTICLE19 zu digitalen Rechten in der MENA-Region. Sie ist außerdem Doktorandin am Oxford Internet Institute der Universität Oxford und war zuvor als Senior Information Controls Fellow für den Open Technology Fund tätig. Ihre Artikel und Analysen über Technologie und Meinungsfreiheit im Iran werden regelmäßig in akademischen Zeitschriften sowie in Medien wie der New York Times, der Washington Post und Slate veröffentlicht.
Wir sind gespannt darauf, das Gespräch über Internetkontrolle und die
Menschenrechtslage im Iran mit Mahsa auf der #rp23 fortzusetzen – denn die Proteste
dürfen nicht vergessen werden.
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Ein Interview mit Mahsa Alimardani.
Woran arbeitest du derzeit und welche Themen würdest du gerne mit anderen auf der #rp23 diskutieren?
Ich arbeite daran, die digitale Unterdrückung in autoritären Ländern wie dem Iran zu
verstehen, insbesondere während Aufständen wie dem, den wir im Iran seit der Ermordung
von Mahsa Jhina Amini erlebt haben. Wie können wir internationalen Druck auf Länder wie
den Iran ausüben, um die Internet-Konnektivität aufrechtzuerhalten, wie sollten
Tech-Unternehmen den Zugang sicherstellen und wie können Richtlinien die Rechte und die
freie Meinungsäußerung in diesen Kontexten verbessern?
Das Motto der diesjährigen re:publica ist CASH. Wo siehst du Verbindungen zur
aktuellen Situation im Iran?
CASH ist das Herzstück der Missstände in der Islamischen Republik. Die Islamische
Republik ist eine Diktatur, die wie eine Mafia funktioniert. Den Menschen im Iran werden
nicht nur soziale, bürgerliche und politische Rechte verweigert – einschließlich des
freien Zugangs zum Internet –, das Regime hat auch den Reichtum einer ganzen Nation
geplündert und gestohlen. Vieles von dem, wofür die Iraner kämpfen, ist Freiheit, aber
diese Freiheit bedeutet auch Hoffnung auf wirtschaftlichen Wohlstand und Sicherheit. Die
Islamische Republik hat sich für einen korrupten Staat entschieden, der sein Volk
isoliert und bestiehlt. Der Slogan der Revolution im Iran lautet „Frau, Leben,
Freiheit“. Die iranische Generation Z kämpft, riskiert Leben und Blut, weil sie keine
Hoffnung für ihre Zukunft sieht. Wirtschaftliche Freiheit und Wohlstand sind ein
wichtiger Teil dieses Kampfes.
Auf welche neuen Entwicklungen oder Trends in diesem Bereich sollten wir achten?
Welche Forscher*innen oder Autor*innen würdest du vor deinem Vortrag zur Lektüre
empfehlen?
Das, was im Iran passiert, ist in der Tat ein Anknüpfungspunkt für autoritäre Strategien
und Bemühungen der großen Zensurmacht China. Der Iran hat schon immer versucht, China
nachzueifern, und ich würde wirklich Autoren wie Margaret Roberts, Jennifer Penn und
Steven Feldstein empfehlen, die ausführlich über die digitale Unterdrückung in China
berichtet und geschrieben haben. Die aggressive Zunahme der digitalen Unterdrückung –
vom Einsatz der Gesichtserkennung zur Überwachung des Tragens von Hijabs bis hin zur Art
und Weise der Zensur – hat alles mit den Strategien zu tun, die China entwickelt hat
oder entwickelt.