27.-29. Mai 2024
STATION Berlin
Dr. Vera Klocke, Freya Herrmann, Jasper Landmann
Inszenierungen von CASH sind in den sozialen Medien allgegenwärtig. "Finanz Coaches”
schalten ihre Werbe-Videos vor Youtube-Videos, während TikTok-Nutzer:innen ihr Bargeld
in der Kategorie “Money Stacking” organisieren. Hinzu kommen Accounts, die sich
ausschließlich mit dem Gehalt, Outfit- und Mietkosten von Personen beschäftigen, die sie
an Straßenkreuzungen ansprechen.
Über Geld sprechen, das war lange Zeit verpönt. In diesen relativ neuen Inszenierungen
von Geld und Kapital, die sich aktuell in den sozialen Medien abzeichnen, lässt sich
zunächst einmal eine gegenläufige Beobachtung machen: Personen sprechen über Geld. Sie
geben Ratschläge, kommunizieren Fremden auf den Cent genau ihre Mietkosten und
beschreiben den Wert ihrer Sneaker. Mitzuteilen, wie viel Geld genau verdient wird, ob
man Wohnraum mietet, oder besitzt und woher die eigene Kleidung stammt, wird hier als
Möglichkeit der eigenen Erfolgsgeschichte, aber auch für eine Positionierung des Selbst
im sozialen Raum genutzt. Dabei lassen sich auch gegenderte Dynamiken in der
Inszenierung von CASH beobachten. Auf der einen Seite wird dem Kapital eine
emanzipatorische Kraft zugeschrieben, auf der anderen Seite wird es genutzt, um eine
Vormachtstellung zu beanspruchen.
Geld machen, das schwingt hier mit, kann man lernen. Zum Beispiel, indem man wiederum
Geld für ein “Financial Coaching” oder eine “Financial Therapy” ausgibt, um in Zukunft
noch klügere Anlagestrategien zu entwickeln und in bessere Immobilien zu investieren.
“Arm sein” – das ist diesen Narrativen inhärent – ist zur Option geworden, gegen die man
sich (im Sinne einer sozialen Mobilität) entscheiden kann. Das Individuum wird – in
Angesicht der Angebote, die zwischen Coaching, Therapie und Drill Instruction changieren
– in den Worten des Soziologen Uwe Bröckling, zu einem „unternehmerischen Selbst“, das
sich einer „permanenten Selbstverbesserung“ hingibt (Bröckling 2007).
In dem Vortrag analysieren wir die Ästhetiken dieser Inszenierungen von Geld ausgehend
von Bild- und Videomaterial, fragen aber auch nach den Weltanschauungen, die ihnen
zugrunde liegen. Was ist die Besonderheit dieser neuen Welle von Geld-Inszenierungen und
warum sind viele dieser Narrative, die die Selbstwirksamkeit des Individuums
adressieren, im Kern so unpolitisch?